Das Projekt: Eine Plattform für viele
Im Zentrum steht eine mandantenfähige KI-Plattform, die mehreren öffentlichen Verwaltungen eine gemeinsame Infrastruktur bietet, klar voneinander getrennt, sicher und skalierbar. Koordiniert wird das Vorhaben über den Verein SSGI (Schweizerische Städte- und Gemeindeinformatik). Beteiligt sind die Kantone Zug, Obwalden, Nidwalden, Appenzell Ausserrhoden, Schaffhausen und Schwyz, sowie deren angeschlossene Gemeinden und Städte. Insgesamt erhalten potenziell über 100 Städte und Gemeinden Zugang zu einer datenschutzkonformen Alternative zu generativen KI-Diensten wie ChatGPT.
Die Plattform ist auf die besonderen Anforderungen des öffentlichen Sektors ausgerichtet:
- Datenschutz und Informationssicherheit: Hosting in der Schweiz, rollenbasierte Zugriffskontrollen, klare Datentrennung zwischen Mandanten
- Nachvollziehbarkeit: transparente Quellenverweise und revisionssichere Protokollierung
- Governance: definierte Rollen und Verantwortlichkeiten auf Ebene Kanton, Gemeinde und Plattformbetrieb
- Integration: Anbindung an eGovernment-, DMS- und weitere Standardlösungen
Der Aufbau erfolgt schrittweise. Zu den ersten konkreten Vorhaben gehören eine KI-gestützte Webseitensuche auf Basis von RAG-Technologie, ein Proof of Concept für baurechtliche Beratung sowie die schrittweise Entwicklung weiterer Fachanwendungen und KI-Agenten.
Die Rolle von Centry Labs
Centry Labs war als unabhängige Beratungsinstanz Teil des Ausschreibungsverfahrens. In enger Zusammenarbeit mit dem Verein SSGI, der IGI Zug und den beteiligten kantonalen IT-Dienstleistern übernahm Centry Labs die fachliche und methodische Begleitung der Evaluation.
Konkret umfasste der Beitrag:
- Analyse der Longlist-Offerten nach funktionalen, nicht-funktionalen und sicherheitsrelevanten Kriterien
- Ausarbeitung von vier praxisnahen Aufgabenstellungen für die Shortlist-Präsentationen. Darunter ein HR-Fachassistent, ein Governance- und Mandanten-Stresstest, ein Sitzungsprotokollant sowie ein freier Use Case aus dem Verwaltungsumfeld
- Erstellung eines strukturierten Fragenkatalogs zu Architektur, Datenschutz, Mandantentrennung, Governance, Enablement und Wirtschaftlichkeit
- Aktive Begleitung der Anbieter-Präsentationen inkl. kritischer Fragestellung und Risikoidentifikation
- Schriftliche Kurzbewertung je Shortlist-Anbieter sowie eine konsolidierte Empfehlung für die Vergabestelle
Centry Labs agierte dabei als neutrale Experteninstanz, methodisch fundiert, auf Public-Sector-Anforderungen spezialisiert. Ziel war eine transparente, nachvollziehbare und rechtssichere Vergabeentscheidung. Die Umsetzung des Projekts startet im 2. Quartal 2026.
Ein Meilenstein – und ein Startschuss
Sechs Kantone. Über 100 Städte und Gemeinden. Eine mandantenfähige, datenschutzkonforme KI-Plattform, betrieben im Schweizer Rechtsraum. Der Zuschlag wurde nach einem strukturierten Vergabeverfahren vergeben, begründet mit hoher Anforderungserfüllung, einem überzeugenden Sicherheitskonzept und einem klaren Ansatz zur föderalen Skalierung.
Das ist ein Meilenstein. Aber er ist auch ein Startschuss – kein Ziel.
Und ja: Man darf hier ruhig von einem Schweizer Pionierprojekt sprechen. Eine Ausschreibung dieser Art, in dieser Breite, mit dieser föderalen Tiefe und diesem Anspruch an Datenschutz und Mandantenfähigkeit, hat es im öffentlichen Sektor der Schweiz bisher nicht gegeben. Das ist kein Marketing. Das ist eine nüchterne Einordnung. Und der Stolz, den man beim SSGI und den beteiligten Kantonen spürt, ist berechtigt.
Denn was hier beschlossen wurde, ist mehr als ein IT-Projekt. Es ist ein Bekenntnis: dass KI in der öffentlichen Verwaltung nicht trotz Datenschutz funktionieren muss, sondern genau wegen ihm. Dass Souveränität über Daten kein Hindernis ist, sondern eine Voraussetzung für Vertrauen. Und dass föderale Strukturen, so komplex sie auch sind, kein Grund sein müssen, auf moderne Werkzeuge zu verzichten.
Die Plattform ist von Anfang an auf Skalierung ausgelegt: mehrere Mandanten, unterschiedliche Kontexte, gemeinsame Infrastruktur. Wer je versucht hat, auch nur zwei Gemeinden auf eine gemeinsame Lösung zu einigen, weiss, wovon wir sprechen.
Und trotzdem: Der eigentliche Beweis steht noch aus. Nicht weil der Entscheid falsch wäre, sondern weil Technologie erst dann Wirkung zeigt, wenn sie genutzt wird. Wenn Mitarbeitende sie verstehen. Wenn Prozesse sich verändern. Wenn aus einem Proof of Concept ein echter Arbeitsalltag wird.
Genau das ist die Aufgabe, die jetzt beginnt.













