KI für die öffentliche Verwaltung: Was hinter dem SSGI-Projekt steckt

Roger Thalmann
May 12, 2026
9
Min. Lesezeit

Zusammenfassung

Sechs Kantone und über 100 Gemeinden bauen gemeinsam eine datenschutzkonforme KI-Plattform auf – ein Pionierprojekt im Schweizer Government-Sektor, das es in dieser Form bisher nicht gegeben hat. Centry Labs hat das Ausschreibungsverfahren fachlich begleitet: von der Analyse der Longlist-Offerten über die Shortlist-Präsentationen bis zur konsolidierten Vergabeempfehlung. Was dieser Entscheid bedeutet – und warum die eigentliche Arbeit jetzt erst beginnt.

Eine KI-Plattform für mehrere Kantone und über hundert Gemeinden gemeinsam auszuschreiben ist komplex: unterschiedliche Anforderungen, verschiedene IT-Dienstleister, hohe Datenschutzanforderungen. Centry Labs hat uns geholfen, diese Komplexität zu strukturieren – mit einer methodisch klaren Evaluation, praxisnahen Aufgabenstellungen für die Anbieter und einem Evaluationsdossier, das dem Gremium eine sichere Entscheidungsgrundlage gegeben hat. Genau die Art von Beratung, die man in einem solchen Verfahren braucht.

Patrick Ruoss, Projektleiter SSGI zur Ausschreibung der KI-Plattform

Das Projekt: Eine Plattform für viele

Im Zentrum steht eine mandantenfähige KI-Plattform, die mehreren öffentlichen Verwaltungen eine gemeinsame Infrastruktur bietet, klar voneinander getrennt, sicher und skalierbar. Koordiniert wird das Vorhaben über den Verein SSGI (Schweizerische Städte- und Gemeindeinformatik). Beteiligt sind die Kantone Zug, Obwalden, Nidwalden, Appenzell Ausserrhoden, Schaffhausen und Schwyz, sowie deren angeschlossene Gemeinden und Städte. Insgesamt erhalten potenziell über 100 Städte und Gemeinden Zugang zu einer datenschutzkonformen Alternative zu generativen KI-Diensten wie ChatGPT.

Die Plattform ist auf die besonderen Anforderungen des öffentlichen Sektors ausgerichtet:

  • Datenschutz und Informationssicherheit: Hosting in der Schweiz, rollenbasierte Zugriffskontrollen, klare Datentrennung zwischen Mandanten
  • Nachvollziehbarkeit: transparente Quellenverweise und revisionssichere Protokollierung
  • Governance: definierte Rollen und Verantwortlichkeiten auf Ebene Kanton, Gemeinde und Plattformbetrieb
  • Integration: Anbindung an eGovernment-, DMS- und weitere Standardlösungen

Der Aufbau erfolgt schrittweise. Zu den ersten konkreten Vorhaben gehören eine KI-gestützte Webseitensuche auf Basis von RAG-Technologie, ein Proof of Concept für baurechtliche Beratung sowie die schrittweise Entwicklung weiterer Fachanwendungen und KI-Agenten.

Die Rolle von Centry Labs

Centry Labs war als unabhängige Beratungsinstanz Teil des Ausschreibungsverfahrens. In enger Zusammenarbeit mit dem Verein SSGI, der IGI Zug und den beteiligten kantonalen IT-Dienstleistern übernahm Centry Labs die fachliche und methodische Begleitung der Evaluation.

Konkret umfasste der Beitrag:

  • Analyse der Longlist-Offerten nach funktionalen, nicht-funktionalen und sicherheitsrelevanten Kriterien
  • Ausarbeitung von vier praxisnahen Aufgabenstellungen für die Shortlist-Präsentationen. Darunter ein HR-Fachassistent, ein Governance- und Mandanten-Stresstest, ein Sitzungsprotokollant sowie ein freier Use Case aus dem Verwaltungsumfeld
  • Erstellung eines strukturierten Fragenkatalogs zu Architektur, Datenschutz, Mandantentrennung, Governance, Enablement und Wirtschaftlichkeit
  • Aktive Begleitung der Anbieter-Präsentationen inkl. kritischer Fragestellung und Risikoidentifikation
  • Schriftliche Kurzbewertung je Shortlist-Anbieter sowie eine konsolidierte Empfehlung für die Vergabestelle

Centry Labs agierte dabei als neutrale Experteninstanz, methodisch fundiert, auf Public-Sector-Anforderungen spezialisiert. Ziel war eine transparente, nachvollziehbare und rechtssichere Vergabeentscheidung. Die Umsetzung des Projekts startet im 2. Quartal 2026.

Ein Meilenstein – und ein Startschuss

Sechs Kantone. Über 100 Städte und Gemeinden. Eine mandantenfähige, datenschutzkonforme KI-Plattform, betrieben im Schweizer Rechtsraum. Der Zuschlag wurde nach einem strukturierten Vergabeverfahren vergeben, begründet mit hoher Anforderungserfüllung, einem überzeugenden Sicherheitskonzept und einem klaren Ansatz zur föderalen Skalierung.

Das ist ein Meilenstein. Aber er ist auch ein Startschuss – kein Ziel.

Und ja: Man darf hier ruhig von einem Schweizer Pionierprojekt sprechen. Eine Ausschreibung dieser Art, in dieser Breite, mit dieser föderalen Tiefe und diesem Anspruch an Datenschutz und Mandantenfähigkeit, hat es im öffentlichen Sektor der Schweiz bisher nicht gegeben. Das ist kein Marketing. Das ist eine nüchterne Einordnung. Und der Stolz, den man beim SSGI und den beteiligten Kantonen spürt, ist berechtigt.

Denn was hier beschlossen wurde, ist mehr als ein IT-Projekt. Es ist ein Bekenntnis: dass KI in der öffentlichen Verwaltung nicht trotz Datenschutz funktionieren muss, sondern genau wegen ihm. Dass Souveränität über Daten kein Hindernis ist, sondern eine Voraussetzung für Vertrauen. Und dass föderale Strukturen, so komplex sie auch sind, kein Grund sein müssen, auf moderne Werkzeuge zu verzichten.

Die Plattform ist von Anfang an auf Skalierung ausgelegt: mehrere Mandanten, unterschiedliche Kontexte, gemeinsame Infrastruktur. Wer je versucht hat, auch nur zwei Gemeinden auf eine gemeinsame Lösung zu einigen, weiss, wovon wir sprechen.

Und trotzdem: Der eigentliche Beweis steht noch aus. Nicht weil der Entscheid falsch wäre, sondern weil Technologie erst dann Wirkung zeigt, wenn sie genutzt wird. Wenn Mitarbeitende sie verstehen. Wenn Prozesse sich verändern. Wenn aus einem Proof of Concept ein echter Arbeitsalltag wird.

Genau das ist die Aufgabe, die jetzt beginnt.

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Wir begleiten deine Organisation. Von der Strategie bis zur Umsetzung.

Roger Thalmann
Managing Partner
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Was dieser Entscheid wirklich bedeutet

Eine Plattform ist eine Infrastruktur. Sie schafft Möglichkeiten, aber keine Wirkung. Die entsteht erst, wenn Menschen damit arbeiten, wenn Prozesse angepasst werden und Fachsysteme sinnvoll integriert sind.

Die ersten geplanten Use Cases zeigen, wo der Weg hinführt: eine KI-gestützte Webseitensuche per RAG-Technologie, ein Proof of Concept für baurechtliche Beratung, schrittweise weitere Fachanwendungen. Konkrete, praxisnahe Ansätze – genau das braucht es. Und genau da beginnen die eigentlichen Fragen:

  • Wer in der Gemeinde weiss, wie man diese Werkzeuge sinnvoll einsetzt?
  • Wie stellt man sicher, dass KI-Antworten nachvollziehbar und rechtlich haltbar sind?
  • Was passiert, wenn Mitarbeitende das System nicht verstehen oder ihm nicht vertrauen?

Warum öffentliche Verwaltungen besondere Herausforderungen haben

Verwaltungen sind keine KMU. Ihre Rahmenbedingungen sind anders.

Jede Entscheidung ist öffentlich. Fehler werden sichtbar. Das schafft eine Risikoaversion, die Veränderung verlangsamt, auch wenn der Wille da ist. Was in einem Kanton funktioniert, muss im nächsten nicht passen. Mandantenfähigkeit ist technisch lösbar; kulturell und organisatorisch ist sie eine andere Geschichte.

Bürgerinnen und Bürger vertrauen der Verwaltung ihre sensibelsten Daten an. KI-Systeme müssen deshalb nicht nur sicher sein, sie müssen es auch erklärbar sein. Und dann sind da noch die gewachsenen Systemlandschaften: Jahrzehnte alte Fachsysteme, fehlende Schnittstellen, heterogene Softwarelösungen. Die Integration neuer Technologien ist selten ein rein technisches Problem, sie ist ein Governance-Problem.

Was wirklich gelingt und was nicht

Verwaltungsdigitalisierung scheitert selten an der Technologie. Sie scheitert an fehlender Strategie, mangelnder Befähigung der Mitarbeitenden und daran, dass niemand die Verantwortung für den Wandel übernimmt. Studien zeigen: Nur rund 30 % der Organisationen sind mit ihren Digitalisierungsfortschritten zufrieden. Die Lücken liegen nicht bei den Tools, sie liegen bei Orientierung, Kompetenz und Umsetzungskraft.

Was hingegen gelingt: wenn Digitalisierung nicht als Technologieprojekt verstanden wird, sondern als strategische Reise. Wenn Strategie, Umsetzung und Befähigung zusammenspielen. Wenn jemand die Fäden zusammenhält und dabei den Menschen nicht aus dem Blick verliert.

Wie Centry Labs Verwaltungen begleitet

Centry Labs begleitet öffentliche Verwaltungen und KMU auf genau diesem Weg. Nicht mit Standardlösungen. Nicht mit Buzzwords. Sondern mit einem klaren Gameplan, der zur jeweiligen Organisation passt.

Das bedeutet konkret:

Strategie mit Substanz: Wir analysieren den digitalen Reifegrad, identifizieren sinnvolle Ansatzpunkte und entwickeln eine Roadmap, die realistisch und umsetzbar ist, nicht nur auf Folien gut aussieht.

Umsetzung, die wirkt: Wir begleiten die Einführung neuer Technologien partnerschaftlich, von der Auswahl geeigneter Use Cases bis zur Integration in bestehende Prozesse und Systeme.

Befähigung der Menschen: Technologie muss verstanden werden, um zu wirken. Wir sorgen dafür, dass Mitarbeitende nicht nur wissen, wie ein System funktioniert, sondern warum es ihnen hilft.

Governance und Datenschutz: Gerade im Verwaltungskontext sind Nachvollziehbarkeit und Informationssicherheit keine Kür. Wir helfen, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, bevor die ersten Anwendungen live gehen.

Fazit

Eine datenschutzkonforme KI-Plattform für sechs Kantone und über 100 Gemeinden ist ein starkes Signal. Es zeigt, dass öffentliche Verwaltungen KI nicht mehr als Zukunftsthema behandeln, sondern als Gegenwart.

Plattformen allein verändern keine Verwaltungen. Was es braucht, ist Klarheit darüber, welche Probleme gelöst werden sollen und die Bereitschaft, Menschen auf diesem Weg mitzunehmen. Wer das ernst nimmt, hat gute Chancen, dass KI nicht nur installiert, sondern wirklich genutzt wird.

Und genau da liegt die eigentliche Arbeit.

Roger Thalmann
Managing Partner
Roger begleitet KMU und öffentliche Organisationen bei der pragmatischen Umsetzung ihrer Digitalstrategie. Als Mitgründer von Centry Labs liegt sein Fokus auf Prozessdigitalisierung, operativer Effizienz und der Einführung von KI als Enabler. Mit über 12 Jahren Führungserfahrung im Marketing und Operations übersetzt er komplexe Transformationen in greifbare Resultate, die Organisationen nachhaltig stärken.

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